Kongress 2010
Performance / Performanz
Die APEG veranstaltet zusammen mit dem Dachverband der spanischen Germanisten FAGE eine gemeinsame Tagung zum Thema "Performance/Performanz", die vom 16.-18. September 2010 in Valencia stattfinden wird.
Internationale Tagung
PERFORMANCE / PERFORMANZ
16.-18. September 2010, Universitat de València (Valencia, Spanien)
Ähnliche Begriffe, unterschiedliche Konzepte. Immer stärker wird in den Geisteswissenschaften das Augenmerk auf den Prozess und nicht das Resultat gerichtet. Die Länder der Europäischen Gemeinschaft sehen das „lifelong learning“ als eines ihrer wesentlichen Ziele an, damit wir den schnellen Veränderungen in unserer Umwelt folgen können. Körper, Raum, Stimme lösen die Vision einer Objekt-Subjekt orientierten Welt ab. Die sich ergänzenden, aber auch widersprüchlichen Definitionen der Begriffe Performance und Performanz sollen Anlass für produktive Deutungen und Auseinandersetzungen geben und vor allem zu weiteren Gedanken und Handlungen anregen.
Der spanische Germanistenverband (FAGE) veranstaltet in Zusammenarbeit mit dem portugiesischen Germanistenverband (APEG) die VII. Tagung zu dem Thema Performance / Performanz mit den folgenden Sektionen.
LITERATURWISSENSCHAFT
Performance ist besonders in den Literatur- und Theaterwissenschaften durch die Postmoderne-Diskussion ein zentraler Begriff geworden. Das Augenmerk konzentriert sich nicht länger auf den Autor und den Text, sondern auf die Gestaltung: Performance als Kunst der Präsenz, als Entgrenzung.
Theater, Literatur und Kunst im weitesten Sinne sind Agenten von intertextuellen Diskursen und von inter- und transkulturellen Begegnungen. Bedeutung wird hergestellt und multipliziert; Positionen, Beziehungen und damit auch Machtverhältnisse werden ausgehandelt. Ästhetik, Politik und Soziales sind untrennbar miteinander verknüpft und jede klare Trennung von Subjekt und Objekt, wie sie in der hermeneutischen Ästhetik festgelegt ist, wird aufgehoben.
Die Vorträge sollten sich auf die Literatur und den literarischen Bereich, speziell das Theater beziehen und dabei insbesondere die variablen Merkmale, die dem Wesen des Performativen und der Performance zugeschrieben werden, mit einbeziehen. Untersucht werden sollen u. a. die historische Entwicklung der Performance-Kunst, verschiedene Elemente und Formen von Performance und insbesondere ihre Kommunikationssituation.
Die Themen, die sich unter dieser Perspektive untersuchen lassen, sind vielfältig. Die einzelnen Themengruppen verstehen sich als Einladung zur Wiederaufnahme und Weiterführung der Diskussion in Verbindung zur deutschsprachigen Literatur.
- Geschichtlicher Wandel im Denken: vom Theater zur Performance
- Performance-Aufführungen und Performance-Theorien als ästhetische Grenzüberschreitungen, als produktiver Weg dem Gegenwartstheater zu begegnen: Regiesprachen und Zuschauerkunst; Ort, Zeit, Raum und Körper als wesentliche Kategorien
- Gender als Performance. Von der Performativität zur Performanz. Gesellschaftliche und ästhetische Transgression
- Autorschaft als Performance: Pseudonym, Anonym. Inszenierungen von Authentizität.
Sektionsleitung:
KULTURWISSENSCHAFTEN
Der so genannte performative turn gehört zu den Leitbegriffen der Kulturwissenschaft. Er bezieht sich insbesondere auf die Analyse und Kritik kultureller Prozesse, ihrer Bedeutungen und Erfahrungen. Zentrale Gegenstände dieser Analyse und Kritik sind kulturelle Ereignisse und Praktiken, die nicht als statische Strukturen, sondern in ihrem dynamischen Prozesscharakter betrachtet werden. In diesem Sinne gewinnt die Kulturwissenschaft den Blick zurück auf die Prozesshaftigkeit kultureller Erscheinungen und ihrer kontextuellen Dynamik.
In dem Maße wie die Performance der Kultur zum Gegenstand wissenschaftlicher Reflexion wird, in dem Maße wird auch die Kultur der Performance als ein Kennzeichen der Moderne sichtbar, die sich gleichsam selbst einlädt, ihre anthropologische Geltung zu erproben.
Die Themen, die sich unter dieser Perspektive untersuchen lassen, sind vielfältig. Die unten genannten Themengruppen bilden selbst eine umgekehrte trichterförmige Bewegung von der konkreten Kunstpraxis zu den gesellschaftlichen Herausforderungen der Gegenwart. Die einzelnen Stichwörter verstehen sich als Einladungen zur Wiederaufnahme oder Neuentdeckung der Diskussion ihrer Performativität.
1. Bühnen: Ausführung, Aufführung, Inszenierung, Dramaturgie, Choreografie, Muster, Szenen, Bewegung, Tanz, event, Spektakel
2. Medien: Film, Fernsehen, neue Medien, Videokunst, digital art, multimediale Inszenierung, Unmittelbarkeit, Hypertext, Remediation, Sichtbarkeit, Simulakrum
3. Textperformanz: Materialität, Intertextualität, Paratexte, Legitimation, Verhandlung, Gesetz
4. Rituale und Bräuche: Familie, Feste, Religion, Politik, Macht, Lifestyle, Räume, Reisen, innere Sicherheit
5. Identität: Alterität, Authentizität, Erinnerung, Emotionen, tacit knowledge, Körper, Gender, Grenzen
6. "Soziale Dramen": Brüche, Krisen, Liminalität, "Bewältigung", Konflikt und Spaltung, Experiment, Innovation, Wandel, Ökonomie
Fernando Clara & Peter Hanenberg
Dep. Línguas, Culturas e Literaturas Modernas
TRANSLATIONSWISSENSCHAFT
Ausgehend von vier verschiedenen Definitionen von Performanz schlagen wir als offen zu betrachtende Themenkreise vor, die verschiedene Aspekte der Translation betreffen; wenn auch nicht explizit angegeben, gehen wir davon aus, dass eine der Arbeitssprachen immer Deutsch ist. Der erste Themenkreis berührt vor allem Aspekte der literarischen Übersetzung und ihrer Rezeption; aufgrund ihres performativen Charakters wurde hier ebenso der operative Texttyp mit einbezogen. Performanz als aktuale Sprachverwendungbehandelt situationsgebundene Fragen im weiteren Sinn. Um Inszenierung im engeren und im weiteren Sinn geht es bei Performanz als Re-zitation und als theatralische Inszenierung, von der konkreten Übersetzung für Bühne, Film oder Fernsehen bis hin zur feministischen Translation. Die Wirksamkeit oft wiederholter Sprechakte verbindet die Themengruppe Performanz als Iteration.
1. Performanz als Gelingen von Sprechakten (Austin), mit Einwirken auf die soziale Welt.
- Aspekte der Rezeptionsgeschichte deutscher Literatur auf der iberischen Halbinsel: Was wurde wann, wo, von wem, in welche Sprache übersetzt?
- Aspekte der Rezeptionsgeschichte anderssprachiger ins Deutsche übersetzter Literatur
- Einflüsse der Zielkultur auf die Übersetzung
- Literarisches Übersetzen und Intertextualität
- Problematik der Übersetzung operativer Texte
2. Performanz als aktuale Sprachverwendung in einer bestimmten Situation (Chomsky)
- Die Stimme der ÜbersetzerInnen
- Übersetzung und vergleichende Literatur
- Literarisches Übersetzen und Übersetzungskritik
- Strategien zur Lösung von Übersetzungsproblemen
- Kreative Prozesse in der Übersetzung
- Innovative Vorschläge für den Übersetzungsunterricht
3. Performanz als Re-zitation und als theatralische Inszenierung
- Übersetzen für die Bühne
- Übersetzen für Film und Fernsehen
- Selbstreferenz und Subjektivität
- Verstehen und Verständlichmachen des Fremden
- Verständlichmachen der körperlichen und stimmlichen Dimension von Texten
- Interkulturelle Unterschiede der literarischen Mündlichkeit
- Übersetzung als Manipulation
- Feministische Translation
4. Performanz als Iteration, mit infiniter Rezitierbarkeit und Rekontextualisierbarkeit (Derrida)
- Übersetzen des ideologischen Diskurses
- Übersetzungspolitik
- Übersetzung und Minderheitensprachen im globalen Zeitalter
- Wirksamkeit der Rhetorik und ihre Übersetzung
Heike van Lawick
Departament de Traducció i Comunicació
Universitat Jaume I
LINGUISTIK UND SPRACHWISSENSCHAFT
Die Performance als kommunikativer Prozess stellt eine große Herausforderung für die Linguistik dar, da es sich um ein Studienobjekt von großer Komplexität handelt. Sie stellt eine multimodale Kommunikationsform dar, auf die Faktoren wie Zeit, Raum, Körper des Künstlers sowie die Beziehung zwischen diesem und dem Publikum einwirken. Andererseits ist das handelnde Subjekt das konstitutive Element der Performance. Diese Tatsache impliziert eine Erweiterung des Studienobjektes, seiner Werkzeuge und Methoden der linguistischen Analyse zu neuen Formen der künstlerischen Kommunikation, die die verbale mit der nonverbalen, visuellen und musikalischen Kommunikation kombinieren und außerdem das Publikum selbst am künstlerischen Prozess teilhaben lassen.
Es werden Beiträge aufgenommen, die sich mit der Diskussion um die Performance als dynamische und multimodale Kommunikationsform befassen sowie Forschungen zu allen linguistischen Aspekten, die dazu in konkretem Bezug stehen. Die Vorschläge für Beiträge sollten sich innerhalb einer der folgenden Forschungslinien einordnen lassen.
María Labarta
Universitat de València
DEUTSCH ALS FACHSPRACHE UND DaF
Bezüglich Deutsch als Fachsprache und DaF hat die Performance eine große Bedeutung, da das handelnde Subjekt das konstitutive Element der Performance ist. Die Studierenden werden zu Subjekten. Das bedeutet, dass die Betonung nun auf der Kreativität der Studierenden liegt, dass die Studierenden zu Darstellern und Trägern ihrer Handlung werden und insofern verantwortlich für ihr Studium sind. Auf diese Weise wird einerseits das Augenmerk auf den Prozess und nicht auf das Resultat gerichtet und andererseits das wesentliche Ziel in den Geisteswissenschaften erreicht: das „lebenslange Lernen“. Dieses Lernen impliziert eine integrale Entfaltung des Menschen: das Handeln, das savoir faire, das „Sich-Selbst-Kennenlernen“, und die Fähigkeit den kreativen Ideen Ausdruck zu geben. Es sind alles Fähigkeiten, die sowohl mit den Werten als auch mit dem Lernprozess – lifelong learning – in Verbindung stehen und folglich mit der Performance. Diesbezüglich schlagen wir folgende Themenkreise vor:
1. Autonomes und handlungsorientiertes Lernen
- Selbstevaluation
- Portfolio
- Motivation
2. Spracherwerb
- Neue Ansätze und Tendenzen
- Grammatikalische Progression
- Kontextuelle und interkulturelle Aspekte
3. Interaktion im Klassen- / Vorlesungsraum
- Kommunikation
- Rollenspiele und Theater
- Beziehung Lehrer – Schüler / Professor – Studierende
4. Fachsprachenerwerb
- Neue Trends
- Lernprozess im Fachsprachenerwerb
- Linguistisches Wissen bzw. fachspezifisches Wissen
5. Fachsprachendidaktik
- Neue Ansätze
- Aktive Methodologien
- Multimedialer Sprachunterricht
6. Terminologie und Lexikologie
- Tradition und Innovation
- Lehnwörter
- Neue Übersetzungsvorschläge
Themenvorschläge und Exposé (200-250 Worte) werden bis zum 15. Januar 2010 als Word-Dokument erbeten an die jeweilige/n Sektionsleiter/in und an die Tagungskoordinatorin.
Tagungskoordination: Brigitte Jirku (brigitte.jirku@uv.es)
Sektionsleitung:
Literaturwissenschaft: Ana R. Calero (ana.r.calero@uv.es)
Kulturwissenschaften: Fernando Clara (f.clara@fcsh.unl.pt) & Peter Hanenberg (hanenberg@fch.lisboa.ucp.pt)
Translationswissenschaft: Heike van Lawick (lawick@trad.uji.es)
Linguistik & Sprachwissenschaften: María Labarta (maria.labarta@uv.es)
Deutsch als Fachsprache und DaF: Josefa Contreras (jcontre@idm.upv.es)
Vorträge sollten 30 Minuten nicht überschreiten und können sowohl in deutscher als auch spanischer, katalanischer oder portugiesischer Sprache gehalten werden.

